Die inneren Werte des Fred Ferkel

Auf Anregung einer Leserin (Danke Katrin!) heute mal etwas zum Produkt Fred Ferkel, seinem Namen und wie das alles zusammenpasst:

Fred Ferkel Pack

Früher war der Fred Ferkel noch ein ehrlicher Geselle. Was drauf war, war auch drin, und sah nicht nur so aus: echtes Schwein. In diesem Fall natürlich das verarbeitete Restschwein mit seinem wunderbaren Produkt „Gelatine“.

Dann wurden die Vegetarier und die Schonfleischaberkeinschweinesser immer mehr, und es begann eine neue Zeit. Als Folge stellte Katjes seine Produktion komplett auf „für Vegetarier geeignet“ um. Das Schwein und sein Innerstes mussten draußen bleiben.

Bei einer Sorte wie Fred Ferkel passierte das natürlich auch, aber irgendwie ist es dennoch kurios. Das Schwein erinnert an die lustigen Schweine beim Metzger, die auf ihr bestes Stück zeigen und nichts mehr herbeisehnen als in der Pfanne als Schnitzel ihre Vollendung zu finden. Entsprechend heißt es auf der Packung auch vielsagend und vieldeutig „Hier gibt’s leckere Ferkeleien!“.

So stellen sich viele Fragen. Hätte man aus dem armen Fred Ferkel den sauren, aber natürlich ebenso lustigen Fio Citro machen sollen? Darf vegetarisches Essen Tierform haben? Sollten Tofunuggets Kuhform haben? Oder Känguruform? Oder Hundeform? Ist das eigentlich Verbrauchertäuschung, wenn in einem Schwein gar kein Schwein drin ist? Und mit den Katzenzungen der Schlümpfe gerät man dann vollends in den Wald …

 

Smartphonemarken. Von Uhans und Gretel.

Schon mal von Gretel, Uhans oder Umi gehört? Nur auf den ersten Blick ist der Smartphone-Markt aufgeteilt zwischen Apple und Samsung. Es gibt viele Dutzend  Smartphone-Marken, von denen Sie als Normalverbraucher vielleicht noch nie gehört haben. Vergessen Sie alte Pioniere wie HTC oder Motorola. Werfen wir einen Blick auf den Markt und die erstaunliche Namensgebung – pragmatisch praxisorientiert, nicht wissenschaftlich strikt etymologisch oder morphologisch.

Laut Gadgets Now Bericht von Ende 2017 sind die „größten“ Marken (was immer das genau bedeuten mag):
Samsung
Apple
Huawei
Oppo
Vivo
Xiaomi
LG
ZTE
Lenovo
Alcatel

Offensichtlich ist die Herkunft der Marken – mehr als die Hälfte stammt aus China. Teilweise verraten das unverkennbar die Namen (vor 15 Jahren noch undenkbar) teils gilt: „global lifestyle – one size fits all“. So stehen 5 „alten“ Marken 5 „neue“ Marken gegenüber.

Dann habe ich noch das Amazonangebot nach Topmarken durchforstet. Die sechs interessantesten Gruppen bei über 50 Markennamen sind folgende:

Smartphone-Kategorien

Die erste Gruppe sind die Kopierer – Namen, die man so oder sehr ähnlich schon mal gesehen hat. Sie erinnern zum Beispiel  an Tomtom Navis, an Hannspree Monitore, an Cyrus High-End Hifi aus England.
Nächste Gruppe sind die Simulierer. Sie wollen an etwas erinnern, das sie nicht sind. Krüger&Matz klingt Deutsch, ist aber eine polnische Marke. So suggeriert der Name eine Herkunft, die nicht besteht.
Etwas häufiger ist die Strategie der „klassisch auffälligen“ Namen. Sie doppeln gern Vokale und werden hier vertreten durch Siswoo oder Doogee.

Smartphone-Aufstellung
Ein Feld zur Namensinspiration, das es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte, ist Telekommunikation. Und doch gibt es noch Namen wie Phicomm oder Crosscall.
Die fünfte Gruppe sind Abkürzungen. Das ist nicht so spannend, aber bei einem Namen doch: M-NET. Der Name sticht (nicht nur) dem Münchner ins Auge. Lustigerweise hat das größte regionale deutsche Telekommunikationsunternehmen nichts mit der Smartphone-Marke zu tun.
Und zu guter Letzt gibt es Namen, wo man sich ein bisschen wundert. Gretel? Umi? Man wird sich schon was dabei gedacht haben.

Wie geht es weiter mit den Marken in diesem Segment? Weitere Newcomer-Marken – natürlich vor allem aus Asien – werden hinzukommen. Der Nimbus alter Marken aus Europa und USA nimmt ab, ihr Wert bewegt sich synchron. Der Verbraucher hangelt sich durch smarte Buchstaben und das fast wöchentlich durch neue – doch zum Glück ist ja praktisch alles irgendwie vertraut.

 

Täuschung trotz Nüchternheit: Wein bei Netto

Selten kann man die Absichten und Folgen der Namenswahl so schön erkennen wie bei Grenzgängen und Verletzungen. Bestes Beispiel ist ein Wein, der diese Woche bei Netto im Angebot ist: ein Grosses Gewächs zu 9,99 Euro. Für die Nichtweinafficionados, das ist so als bekäme man einen Champagner für 6,99 Euro, also eigenartig billig.

Kenner werden stutzen – wie geht das, ein GG zu diesem Preis? Normal bewegen wir uns hier in Preisregionen ab dem Doppelten – also, wie geht das? Die Antwort ist sogar recht einfach: Der Wein ist nicht das, wonach sein Name klingt. Um es ganz knapp zusammenzufassen: Grosses Gewächs (mit diesem Doppel-s) ist bekannt als Qualitätskategorie der VDP Weingüter, nur für bestimmte, herausragende Lagen („Große Lage“ – nicht „Großlage“). Auf der Flasche steht bei diesen Weinen immer: VDP.Grosses Gewächs. Kundige Erklärungen findet man kompakt beim Weinkenner, ausführlich beim Schnutentunker, der ganz modern von Netto als Influencer ins Boot geholt werden sollte.

Großes Gewächs Netto

Das Grosse Gewächs von Netto ist also, freundlich bezeichnet, ein Trittbrettfahrer. Das Faszinierende an dieser Täuschungsaktion ist allerdings die Frage, was Netto hiermit bezweckt. Nichtkenner des GG werden keine 10 Euro für einen deutschen Riesling ausgeben wollen, tatschliche Kenner werden das VDP-Siegel vermissen, und ein berühmtes Weingut, und eine herausragende Lage. Vor allem aber werden diese Käufer – so es sie gibt – Netto langfristig sicher nicht wohlwollend gegenüberstehen.

Mir bleibt als Fazit nur, dass dies eine wenig durchdachte und eher ungustiöse Aktion ist.

 

PS: Schauen wir mal, ob der VDP etwas unternimmt auf Basis von Marken- oder Wettbewerbsrecht.

Femannose für Frauen – irgendwie komisch

Jeden Tag gehe ich an der Femannose vorbei. So sieht sie aus:

Femannose Medikament

Zielgruppe der Femannose sind primär Frauen mit Blasenentzündung. Die Wirkstoffe im Medikament sind Mannose (ein der Glucose chemisch ähnlicher Stoff) und Cranberryextrakt. Irgendetwas an der Verbindung aus Femininem und Männlichkeit aber lässt mich jeden Tag aufs Neue stutzen. Sie auch?

Souvenirs

Was bringt man aus dem Urlaub mit? Souvenirs, genau. Hier sind meine für die Leser des Namensblogs.

Den Anfang macht ein Klebestift aus Tschechien, der (mehr oder weniger) logischerweise … heißt:

Herkules Klebestift

Der nächste ist ein österreichischer Apfelwein, der sich an einen Traubendieb anlehnt. Irgendwie schief, aber auch wieder nett:

Stibitzer Apfelwein

Ein Riegel mit lustigem Namen (übrigens aus Griechenland):

koukouroukou

Dann noch etwas für die Freunde der Ikonographie, ein bemerkenswertes Verkehrszeichen aus Tschechien:

czech traffic small

Diesmal auch ein Tier, denn sein Name passt so sensationell:

pseudoskorpion

Der kleine Kerl mit den langen Zangen ist ein Pseudoskorpion. Er ist ca. 3 mm groß und frisst Milben …

Und zu guter letzt ein Supermarktfundstück mit erstaunlicher Produktbeschreibung. Es würde mich wirklich interessieren, wie ein Shampoo Feuchtigkeit spendet. Das wäre mal was für „Wissen macht ah“ oder „Die Sendung mit der Maus“:

cosnature wildrose

Nachhaltig und ethisch – in Maximalform

Nachhaltigkeit und Ethik. Zwei große Worte. So oft auf den Schild geschrieben, so selten verwirklicht.

Wenn man diese Werte in einem Namen ausdrücken will oder diese Inhalte in einen Namen packen will, dann kann man natürlich (die mehr oder weniger eleganten) „Ethi-“ und „Susta-“ Namen machen. Oder man nimmt Dinge, die damit im Zusammenhang stehen, z.B. bedeutungstragende Farben wie grün und blau und den Planeten Erde.

Ein Hersteller aus den USA ist für seine Schokolade noch einen Schritt weiter gegangen. Da geht es im Namen nicht um Fairtrade oder Öko oder sonst was:

Endangered Species Schokolade Endangered Species Schokolade  Endangered Species Schokolade

Hier geht es gleicht ums große Ganze, um die Ausrottung der Arten. Und so werden die Schokoladen unter dem Label „Endangered Species“ vertrieben. Tja, so kann man das auch machen. Viel mehr geht dann nicht mehr. Was soll da noch kommen?

Mögen die Net Profits den abgebildeten Tieren helfen. Mich erinnert dieses Branding ein wenig an eine Anzeige aus den 90ern. Damals hieß es: „Bestellen Sie unseren Katalog oder wir erschießen diesen Hund“. Oder so ähnlich. Und noch ein (durchaus umstrittener) Spruch darf hier natürlich nicht fehlen: „Der Zweck heiligt die Mittel.“