Täuschung trotz Nüchternheit : Wein bei Netto

Selten kann man die Absichten und Folgen der Namenswahl so schön erkennen wie bei Grenzgängen und Verletzungen. Bestes Beispiel ist ein Wein, der diese Woche bei Netto im Angebot ist: ein Grosses Gewächs zu 9,99 Euro. Für die Nichtweinafficionados, das ist so als bekäme man einen Champagner für 6,99 Euro, also eigenartig billig.

Kenner werden stutzen – wie geht das, ein GG zu diesem Preis? Normal bewegen wir uns hier in Preisregionen ab dem Doppelten – also, wie geht das? Die Antwort ist sogar recht einfach: Der Wein ist nicht das, wonach sein Name klingt. Um es ganz knapp zusammenzufassen: Grosses Gewächs (mit diesem Doppel-s) ist bekannt als Qualitätskategorie der VDP Weingüter, nur für bestimmte, herausragende Lagen („Große Lage“ – nicht „Großlage“). Auf der Flasche steht bei diesen Weinen immer: VDP.Grosses Gewächs. Kundige Erklärungen findet man kompakt beim Weinkenner, ausführlich beim Schnutentunker, der ganz modern von Netto als Influencer ins Boot geholt werden sollte.

Großes Gewächs Netto

Das Grosse Gewächs von Netto ist also, freundlich bezeichnet, ein Trittbrettfahrer. Das Faszinierende an dieser Täuschungsaktion ist allerdings die Frage, was Netto hiermit bezweckt. Nichtkenner des GG werden keine 10 Euro für einen deutschen Riesling ausgeben wollen, tatschliche Kenner werden das VDP-Siegel vermissen, und ein berühmtes Weingut, und eine herausragende Lage. Vor allem aber werden diese Käufer – so es sie gibt – Netto langfristig sicher nicht wohlwollend gegenüberstehen.

Mir bleibt als Fazit nur, dass dies eine wenig durchdachte und eher ungustiöse Aktion ist.

 

PS: Schauen wir mal, ob der VDP etwas unternimmt auf Basis von Marken- oder Wettbewerbsrecht.

Femannose für Frauen – irgendwie komisch

Jeden Tag gehe ich an der Femannose vorbei. So sieht sie aus:

Femannose Medikament

Zielgruppe der Femannose sind primär Frauen mit Blasenentzündung. Die Wirkstoffe im Medikament sind Mannose (ein der Glucose chemisch ähnlicher Stoff) und Cranberryextrakt. Irgendetwas an der Verbindung aus Femininem und Männlichkeit aber lässt mich jeden Tag aufs Neue stutzen. Sie auch?

Souvenirs

Was bringt man aus dem Urlaub mit? Souvenirs, genau. Hier sind meine für die Leser des Namensblogs.

Den Anfang macht ein Klebestift aus Tschechien, der (mehr oder weniger) logischerweise … heißt:

Herkules Klebestift

Der nächste ist ein österreichischer Apfelwein, der sich an einen Traubendieb anlehnt. Irgendwie schief, aber auch wieder nett:

Stibitzer Apfelwein

Ein Riegel mit lustigem Namen (übrigens aus Griechenland):

koukouroukou

Dann noch etwas für die Freunde der Ikonographie, ein bemerkenswertes Verkehrszeichen aus Tschechien:

czech traffic small

Diesmal auch ein Tier, denn sein Name passt so sensationell:

pseudoskorpion

Der kleine Kerl mit den langen Zangen ist ein Pseudoskorpion. Er ist ca. 3 mm groß und frisst Milben …

Und zu guter letzt ein Supermarktfundstück mit erstaunlicher Produktbeschreibung. Es würde mich wirklich interessieren, wie ein Shampoo Feuchtigkeit spendet. Das wäre mal was für „Wissen macht ah“ oder „Die Sendung mit der Maus“:

cosnature wildrose

Nachhaltig und ethisch – in Maximalform

Nachhaltigkeit und Ethik. Zwei große Worte. So oft auf den Schild geschrieben, so selten verwirklicht.

Wenn man diese Werte in einem Namen ausdrücken will oder diese Inhalte in einen Namen packen will, dann kann man natürlich (die mehr oder weniger eleganten) „Ethi-“ und „Susta-“ Namen machen. Oder man nimmt Dinge, die damit im Zusammenhang stehen, z.B. bedeutungstragende Farben wie grün und blau und den Planeten Erde.

Ein Hersteller aus den USA ist für seine Schokolade noch einen Schritt weiter gegangen. Da geht es im Namen nicht um Fairtrade oder Öko oder sonst was:

Endangered Species Schokolade Endangered Species Schokolade  Endangered Species Schokolade

Hier geht es gleicht ums große Ganze, um die Ausrottung der Arten. Und so werden die Schokoladen unter dem Label „Endangered Species“ vertrieben. Tja, so kann man das auch machen. Viel mehr geht dann nicht mehr. Was soll da noch kommen?

Mögen die Net Profits den abgebildeten Tieren helfen. Mich erinnert dieses Branding ein wenig an eine Anzeige aus den 90ern. Damals hieß es: „Bestellen Sie unseren Katalog oder wir erschießen diesen Hund“. Oder so ähnlich. Und noch ein (durchaus umstrittener) Spruch darf hier natürlich nicht fehlen: „Der Zweck heiligt die Mittel.“

 

Report von der Amerika-Korrespondentin

Im Herbst hatte ich ja selber ein paar interessante Produktnamen von meinem USA-Besuch vorgestellt: Souvenirs 1, Souvenirs 2 und Souvenirs 3. Nun habe ich direkt von Mercer Island, was quasi um die Ecke von Bill Gates und Jeff Bezos liegt, sensationelle neue Produktbilder von meiner Amerika-Korrespondentin erhalten:

Erstmal eine Remineszenz an die alte Welt und die neue:

Alpenrose MilchFarrah Fawcett Limo

Für alle, die sich über die Aussprechbarkeit ihrer Namen Gedanken machen:

Baconluxuous

 

Kategorieuntypisches Design einer Schokoladentafel – wem fallen die meisten unpassenden Assoziationen ein?

Alcove Red Velvet Chocolate

 

Und eine der auch in Deutschland immer populärer werdenden Schwafelpackungen:

Pink Bubbly

YOU – ich als Spülmittel

Sollte das ein neuer Trend sein? Das „You“?

Es ist auf jeden Fall erfrischend, sich die Analogie von Deo und Spülmittel zu gewärtigen. Ich bin ich – und die nächste Stufe ist das Eins werden mit dem Spülmittel. Wollten wir das nicht schon immer? Da bekommt auch der putzige Begriff „Spüli“ gleich eine andere Bedeutung. Man sollte seine Schreibung auf jeden Fall in „spül i“ ändern, oder gleich in „i spül“.

Wobei auch das Beispiel von Axe letztlich kurios ist. Denn das Versprechen, dass ich ich werde oder dass etwas für mich gedacht ist oder mir hilft ich zu sein, das sollte leichter haltbar sein als die alte Magnettheorie (Deo zieht Frauen an).

Spülmittel YOU bei dmAXE YOU Deo

Als nächste Stufe der Vermarktung schlage ich vor: Das Spülmittel bzw. Das Deo. Das knallt so richtig. Und hat es noch nie gegeben 😉

Und hier noch was für die Fangemeinde des in München so beliebten Werbebairisch:

„Spül i scho oder iss i no?“