Namensfindung Versicherung: Neuer Produktname, selbst erklärend und attraktiv

Vor gut einem Jahr kam ein Kunde auf mich zu, der einen Namen für ein neues Finanzprodukt suchte. Den Kunden kannte ich gut, die Versicherungskammer Bayern. Das Produkt nicht, es war ja auch eine Innovation. Wesen und Nutzen waren allerdings klar.

Ein gutes Jahr später ist die neue Kapitalversicherung, die besonders für das steueroptimierte Vererben größerer Beträge geeignet ist, auf dem Markt. Unter dem Produktnamen „GenerationenDepot“. Muss man nicht viel erklären, oder? Die Namensfindung war nicht einfach gewesen, denn der Name sollte ja nicht nur attraktiv und selbst erklärend sein. Die Domains sollten auch frei sein. Voilà.

Neuer Produktname: Selbst erklärend und attraktiv - Versicherung
Vielen Dank für das Bildmaterial an die VKB!

Hier geht’s zum Produkt bei der Versicherungskammer.
Und hier zu einer detaillierteren Projektvorstellung bei der Namensagentur.

Obskure Namen: Acer Liquid mit urFooz – was ist das, um Himmels willen?

Obskur, obskur. Internet hin, Internet her, selbst für die Welt im Netz ist das doch ein etwas gewagter Name. Im Deutschen weder durch schönen Klang noch durch wunderbare Assoziationen ausgestattet, stellt sich die Frage nach dem „appeal“ dieses Namens. Den Hintergrund dieser Namensentwicklung bzw. dieses Naming Projektes zu kennen, wäre sicher spannend. Der ist vermutlich eher global. Wofür der Name steht? Wohl für ein Feature bzw. einen Service.

Für sachdienliche Hinweise ….

Produktname Schokolade: Ja Heidi, sag mal, wo kommst Du denn her?

Über ein wirklich faszinierendes Fundstück kann ich heute berichten. Eigentlich war es nur eine Schokolade, die Freunde als Nachspeise zum Abendessen mitgebracht hatten. Wir bekamen alle große Augen: Heidi Schokolade mit ganzen Mandeln. Alles ein wenig im Lindt-Look, edel, mit Gold, die Schokolade fein, den Erwartungen entsprechend.

Heidi Gourmette Chocolate

Natürlich konnte ich meine Neugierde nicht bezähmen und musst das (wirklich sehr) klein Gedruckte auf der Packung lesen. Und tatsächlich, da gab es etwas zu entdecken, nämlich woher die kleine Heidi stammt, also quasi wo der Schok-Öhi haust. Normal denkt man bei Heidi ja an die Schweizer Berge, manche kennen auch den Schweizer Heidikäse (übrigens sehr gschmackig). Bei den Bergen ist irgendwie auch die Gemeinsamkeit zu sehen: Die Heidi Schokolade kommt aus Rumänien. Da gibt es auch viele und hohe Berge.

Die Namenswahl ist smart, verbindet doch der normale Verbraucher mit der Produktmarke Heidi bestimmte, wohl meist positive, Werte, Eigenschaften und sogar Erinnerungen. Ganz zufällig war die Namenswahl wohl auch nicht, denn die Muttergesellschaft von Heidi ist tatsächlich ein Schweizer Unternehmen, die kleine Schokodynastie Läderach aus Ennenda im Kanton Glarus. Diese tritt am Deutschen Markt auch unter der Marke „Läderach“ bzw. „Läderach Confiseur“ auf. Ein geschickter Schachzug.

Vielen Dank übrigens an Simona Popi von Heidi Chocolat S.A. für das Bild !

Naming extrem: Lucky Bamboo – unglaublich, es ist kein glücklicher Bambus!

Bild Lucky Bamboo von Sean McClean

Wer hätte das gedacht? Meine Floristin hat mir erzählt, dass der Lucky Bamboo gar kein Bambus ist. Kurios, dachte ich, sollte dies ein weiterer Fall von Seelachs sein?

In Wirklichkeit handelt es sich bei dieser Pflanze um die Art Dracaena Sanderiana, beheimatet in Kamerun, aus der Familie der Mäusedorngewächse in der Ordnung der Spargelartigen. Damit dürfte der letzte Hoffnungsschimmer auf eine Verwandtschaft mit einem wie auch immer ge-, oder entarteten Bambus zerstört sein.

Aktuell ist der Lucky Bamboo wieder bei Norma, einem insb. im Süddeutschen starken Discounter, im Angebot. Den Beschreibungstext aus dem Flyer möchten wir nicht vorenthalten: „Seit Jahrhunderten wird der Bambus in Asien als ein Symbol für Glück, Erfolg, positive Energie und Gesundheit verschenkt.“

Und was lehrt uns das? Hätte ein Lucky Dracaena auch so gute Chancen sogar im Kassenbereich bei Norma gehabt? Wohl nicht. Deshalb ist hier eine gute Lösung für den Produktnamen bzw. sogar die Gattung gefunden worden in dem Sinn, dass sie funktioniert. Naming mit Nutzen.

Eine Frage aber, die sich mir stellt: darf man das eigentlich? Ich muss mal den Anwalt fragen. Aber wahrscheinlich ist die Antwort einfach: Eigentlich natürlich nicht, aber wenn sich so etwas einbürgert und niemand was dagegen macht, dann halt schon.

PS: Bild von Sean McClean aus der Wikipedia.

Markenarchitektur in der Nachbarschaft: Ein Weihnachtssystem?

Wer durchs Münchner In-Quartier, denn so muss das heute heißen, stolziert, dem wird zumindest bei Sonnenschein schnell eine Eisdiele auffallen, oder er wird dort hingeschickt. Es ist die Gelateria „Jessas“. Für Nicht-dem-Bayerischen-Mächtige: Jesus (verwendet als Ausruf). So weit so gut.

Um die Ecke ist aber ein Lokal, das „Maria“. Und die Maria, die war zuallererst da. Ist ja auch logisch. Zwischen Jesus und Maria steht aber noch jemand. Für mit christlichem Gedankengut Vertraute auch nicht allzu schwer zu erraten: Das muss der Josef sein. Und da haben wir schon die genüssliche Trinität: Jessas, Maria und Josef. Wieder der Rückgriff aufs Bayerische um etwas besser zu erklären. Hierbei handelt es sich um einen traditionellen bayerischen Ausspruch oder eher Ausruf. In München ist das Wissen darum allerdings sicher schon fast völlig verloren gegangenen. Denn in Berlin gibt es wahrscheinlich mehr Bayerisch sprechende Menschen als in München. Aber das führt zu weit.

Schluss mit der Anekdote: Der Besitzer der drei Etablissements und Createur des Namenssystems bzw. der Markenarchitektur hat hier seiner persönlichen Affinität zum Bayerischen, zum Biblischen und seinem Leben klar Ausdruck verschafft. Denn er ist Pfarrgemeinderat in der benachbarten Kirche St. Maximilian, der coolsten Gemeinde in München mit dem prominentesten Pfarrer (Deutschlands?), der sogar auf dem Oktoberfest Maßkrüge schleppt. Aber das führt wieder zu weit.