Wie ehrlich müssen Namen sein? Vegetarische Wurst / veganer Käse

Ehrlichkeit ist wichtig. Viele schreiben sich diese auf die Fahne. Doch wie ehrlich müssen Namen sein?

Jeder aufmerksame Beobachter des Tagesgeschehens hat sicher mitbekommen, dass es eine gerichtliche Entscheidung gab zum großen Komplex vegetarischer oder veganer Produkte, die tierhaltige imitieren. Es lag natürlich nahe, diese einfach mit „vegetarische Lyoner“ oder „veganer Mozzarella“ zu bezeichnen. Dass die Produkte manchmal weder in Textur noch in Geschmack mit dem Original zu verwechseln waren ist wieder eine andere Sache. Zur Besänftigung des Landwirtschaftsministers (der übrigens nicht nur die Tierhalter vertritt) hat es aber leider nicht beigetragen.

Worum ging es überhaupt bei dem Streit? Details kann man zum Beispiel hier nachlesen, aber in aller Kürze: Es galt zu entscheiden, ob Begriffe wie Wurst und Käse bei Produkten ohne Fleisch und ohne Milch irreführend sind – weil der Verbraucher ein Produkt mit anderen Inhaltsstoffen erhält, als er erwartet. Also statt totem Tier nur verarbeitetes Soja oder statt echter Kuhmilch nur eine milchige Flüssigkeit auf Basis von Wasser und Hafer.

Das oberste Gericht, der EuGH, hat entschieden, dass die Ohneprodukte natürlich verkauft werden können. Dann aber ohne die etablierten Bezeichnungen der Mitprodukte zu verwenden. Über den Sinn des Urteils (und natürlich den Hintergrund der Klage), die Rolle der Kokosmilch und des Fruchtfleisches kann man lange diskutieren und lamentieren. Darum geht es mir aber gar nicht. Für mich entscheidend sind folgende Punkte:

Dies ist die Chance für alle kopierten Leberkäse, Schnitzel und Leberwürste ein eigenes Leben zu beginnen – unter eigenen Namen. Nicht mehr abhängig vom Fleisch. Und egal wie man zum Urteil und seiner globalen Sinnhaftigkeit stehen mag. Der Gedanke, dass ein Veganer keinen Käse mehr essen muss und ein Vegetarier keinen Leberkäse mehr, irgendwie ist das doch auch schön. Das Rennen um die besten neuen Kategorien und Bezeichnungen ist eröffnet! Alte Zöpfe ab, neue Namen rein.

Man kann die Sache aber auch anders lösen, durchaus kreativ, auf jeden Fall aber sehr pragmatisch und einfach. So wie Heirler das gemacht hat:

Heirler wie Lyoner
© Heirler Cenovis GmbH

 

 

Instant Messaging mit dem Namen Telegram

Telegram App Logo

Durch die Nachricht vor ein paar Tagen, dass beim Instant Messaging Dienst Telegram – der open source Alternative zur Konzernapp What’s App – 15 Millionen Telefonnummern geklaut bzw. identifiziert worden sind, wurde ich auf den Namen aufmerksam.

Telegram oder Telegramm, das klingt schon sehr old school. Da wird im Projekt wohl ein über 30-jähriger (optimistisch, real wohl eher >40) gesessen haben und diese Analogie gezogen haben. Denn das Telegramm stand ja immer für eine sehr fixe Nachricht, zu damaligen Zeiten war „schnell“ ungefähr das, was heute „sofort“ ist.

Wenn man das in die Zukunft weiterspinnt, wie weitere Produkte heißen könnten, dann fällt einem natürlich Telefax ein – ist aber quasi schon in Telegram enthalten. Aber spannend wirds bei „Briefpost“ – was das wohl werden könnte?

Aber irgendwie ist es auch schön, wenn ein alter Begriff gerettet / ausgegraben wird, und man vor dem millionsten, sinnlosen Kurznamen, den sich eh keiner merken kann, verschont wird.