Pi-hsien Chen: Mitteilungen vom unteilbaren Werk

Der Name „Mitteilungen vom unteilbaren Werk“ steht für eine Sammlung von sechs CDs, die bei Telos Music erschienen sind. Kuratorin, Künstlerin und Interpretin in einem ist Pi-hsien Chen. Rätselhaft wirkt dieser Titel – das zweimal vorkommende Element „teil“ trägt dazu bei, die klangliche Analogie zu „von unschätzbarem Wert“ ebenso. Vor allem aber wirkt seine spontane inhaltliche Unzugänglichkeit. „Pi-hsien Chen: Mitteilungen vom unteilbaren Werk“ weiterlesen

Ein Urlaubsmitbringsel: Schuhe Marke „FRAU“

Mal was Amüsantes für zwischendurch: Schuhe der Marke „FRAU“ – gefunden in Italien.

Ein Urlaubsmitbringsel: Schuhe Marke „FRAU“

 

Hinter dem für deutsche Ohren vertrauten Wort, aber in diesem Kontext  ungewöhnlich klingenden Markennamen, steht ein gerade in Norditalien gängiger Nachname – eben Frau. So kommt auch die Schuhmarke „Frau“ aus der Gegend von Verona. Den Luxusaffinen unter uns ist sicher die ebenfalls italienische Möbelmarke „Poltrona Frau“ ein Begriff.

In Deutschland wirken solche Namen erst einmal etwas eigenartig. An vieles muss man sich erst gewöhnen aber das war bei „Apple“ vielleicht ja auch mal so. Wobei man doch einschränken muss, dass es sicher Markennamen gibt, die in Deutschland mehr Potential – auch bei Männern 😉 – für Lederwaren hätten.

Vielen Dank für die Trouvaille an Prof. Schulze von der FH Deggendorf!

 

Vinho Verde Rosé – ein Wein, zwei Farben im Namen?

Erst staunt man, was bei Aldi da im Angebot ist: Ein Vinho Verde Rosé. Grün und Rot vereint in einem Wein, der typischerweise eher blassgelblich daherkommt?

Foto einer Flasche Vinho Verde Rosé

Gemach gemach, alles hat seine Ordnung. Wir können hier das Phänomen der Lexikalisierung bestaunen.

Die aus dem Aussehen der Umwelt (sattgrüne Landschaft) und dem extrem kurzen Reifeprozess hergeleitete Bezeichnung des „grünen Weins“ (es geht übrigens nicht um unreife Trauben, das kann man in der Wikipedia lernen) wurde im Laufe der Zeit zu einem Namen, dessen ursprüngliche Bedeutungskomponenten von einer neuen Gesamtbedeutung überlagert wurden: frischer, leichter Sommerwein, der auch gut ins Ausland verkauft werden kann. Und der ganz ganz grün, also jung getrunken werden sollte, sonst wird er ungenießbar.

Es gibt folgende Varianten von Vinho Verde: Vinho Verde, Vinho Verde Tinto, Vinho Verde Rosé.

Im Prinzip ist es hier ähnlich wie bei allen Namen, deren ursprüngliche Bedeutung verloren gegangen ist bzw. nur noch bei bewusstem Nachdenken aufscheint. Bei Lufthansa denkt ja auch niemand mehr an Schiffe oder Handelsschifffahrt. Nur bei Farbkombinationen ist alles ein wenig auffälliger …

 

Regional in vielen Gegenden – geht das?

Eines der beliebteren Worte unserer Zeit ist sicher „regional“. Man kann es prima im normalen Sprachgebrauch verwenden ohne sich zu disqualifizieren wie z.B. mit einem geschäftigen „nachhaltig“. In einer Kochbuchkritik von Jürgen Dollase ist mir das Thema der Regionalität vor kurzem begegnet und der Begriff verdient ein Drüberüberlegen.

In seiner Kritik des Buchs „frisch, bunt & regional“ von Konrad Geiger kritisiert Dollase (unter einigem anderem, er ist sehr streng), wie das gehe, dass eine Kochrezeptsammlung regional sei, wenn viele Gerichte aus den Küchen anderer Länder stammen?

Kochbuch Titelseite: Konrad Geiger, frisch, bunt & regional

In der Tat kann und sollte man sich fragen: was ist an Kokos-Currysuppe, an Erdnüssen, an bretonischen Artischocken, am provencalischen Linseneintopf regional? Nun ja, regional ist etwas wohl dort, wo es aus der Umgebung, aus einem bestimmten Umkreis stammt. Die bretonischen Artischocken sind also zumindest in der Bretagne eine regionale Spezialität. Zur Ehrenrettung von Konrad Geiger sollte man aber erwähnen, dass der weit überwiegende Teil der vorgestellten Rezepte einen deutschküchenheimatlichen Bezug hat. Letztlich ist jedes Gericht und jede Zutat irgendwie regional. Auch die „Gegrillten Maisbrot-Sandwiches mit Ochsenherztomaten, Scamorza und Gemüse-Relish“ kommen natürlich (je in Teilen) irgendwoher, wo sie typisch sind – und regional. Wenn man ehrlich ist, dann stellt regional eben keine Qualitätsaussage, sondern eine geographische, eine wertfreie Positionsangabe dar.

In der Wahrnehmung vieler Menschen ist der Begriff regional aber angenehm und positiv besetzt und passt sicher gut in unsere Neobiedermeierströmungen. Er ist auch sinnvoll, wenn z.B. Zutaten von regionalen Bauern verwendet werden (die im Übrigen nicht besonders naturnah oder hochwertig produzieren müssen, sondern durchaus eifrige Roundup-Verwender sein können). Nähe sagt nichts über Umgang mit Tier, Pflanze, Welt oder Qualität. Somit ist der Begriff des Regionalen oft zu positiv besetzt, denn die kürzeren Lieferwege, was ja wohl einen Hauptnutzen des Regionalen darstellt, und auch von Geiger im Vorwort so erwähnt wird, sind nur ein kleiner Aspekt von Genuss und Biobilanz.

Und damit sind wir bei der Kernfrage: Wie nennt man ein weiteres vegetarisches Kochbuch (mit einer Menge, meiner Meinung nach, durchaus spannender Rezepte)? Der vorliegende Titel „frisch, bunt & regional“ ist kein Geniestreich, da er selbstverständliche bzw. nichtssagende Adjektive kombiniert, die am Ende immer noch keinen inspirierenden, trennscharfen oder auch nur attraktiven Titel ergeben. Lustigerweise gefällt mir der Untertitel „so liebe ich Gemüse“ ein wenig mehr, da er eine zwar schlichte, aber persönliche Aussage darstellt. Noch besser wäre sicher eine klare, von anderen abgrenzende Haltung.

 

PS: Nicht hilfreich bei der positiven Bedeutungserhaltung von „regional“ sind bekannte Tatsachen wie die, dass der Schwarzwälder Schinken als geschützte geographische Angabe nur bedeutet, dass die Endfertigung, also das Räuchern, am Ort, also regional, erfolgt. Die Schweine können aus aller Herren Länder stammen.