Birkenzucker

Gerade bei Lebensmitteln immer ein spannendes Thema ist die kreative Namensgebung für mehr Attraktivität. Manchmal könnte man es auch Irreführung nennen. Aufmerksame Leser erinnern sich an die hier vorgestellten Feldnüsse. Weil wir aber gerade beim Thema „kreative Gedankenlenkung“ sind. Haben Sie schon mal von Birkenzucker gehört? Ich stieß letztens bei Aldi drauf, er ist also mittlerweile im Mainstream angekommen:

Birkenzucker Xylit

Birkenzucker ist ein wirklich komischer Begriff, denn mit Birken hat Xylit herzlich wenig zu tun. Das Herstellungsverfahren ist alles, was man sich nicht unter „natürlich“ vorstellt (200°, mit Schwefelsäure oder Natronlauge), der Grundstoff diverses Holz, Stroh, oder Maiskolbenspindeln – doch der Name ist wildromantisch.

Erfreulich für Hersteller und Vertrieb, dass so etwas geht. Kommt in die Schublade mit dem Chicken of the Sea 😉

 

Nachhaltig und ethisch – in Maximalform

Nachhaltigkeit und Ethik. Zwei große Worte. So oft auf den Schild geschrieben, so selten verwirklicht.

Wenn man diese Werte in einem Namen ausdrücken will oder diese Inhalte in einen Namen packen will, dann kann man natürlich (die mehr oder weniger eleganten) „Ethi-“ und „Susta-“ Namen machen. Oder man nimmt Dinge, die damit im Zusammenhang stehen, z.B. bedeutungstragende Farben wie grün und blau und den Planeten Erde.

Ein Hersteller aus den USA ist für seine Schokolade noch einen Schritt weiter gegangen. Da geht es im Namen nicht um Fairtrade oder Öko oder sonst was:

Endangered Species Schokolade Endangered Species Schokolade  Endangered Species Schokolade

Hier geht es gleicht ums große Ganze, um die Ausrottung der Arten. Und so werden die Schokoladen unter dem Label „Endangered Species“ vertrieben. Tja, so kann man das auch machen. Viel mehr geht dann nicht mehr. Was soll da noch kommen?

Mögen die Net Profits den abgebildeten Tieren helfen. Mich erinnert dieses Branding ein wenig an eine Anzeige aus den 90ern. Damals hieß es: „Bestellen Sie unseren Katalog oder wir erschießen diesen Hund“. Oder so ähnlich. Und noch ein (durchaus umstrittener) Spruch darf hier natürlich nicht fehlen: „Der Zweck heiligt die Mittel.“

 

Report von der Amerika-Korrespondentin

Im Herbst hatte ich ja selber ein paar interessante Produktnamen von meinem USA-Besuch vorgestellt: Souvenirs 1, Souvenirs 2 und Souvenirs 3. Nun habe ich direkt von Mercer Island, was quasi um die Ecke von Bill Gates und Jeff Bezos liegt, sensationelle neue Produktbilder von meiner Amerika-Korrespondentin erhalten:

Erstmal eine Remineszenz an die alte Welt und die neue:

Alpenrose MilchFarrah Fawcett Limo

Für alle, die sich über die Aussprechbarkeit ihrer Namen Gedanken machen:

Baconluxuous

 

Kategorieuntypisches Design einer Schokoladentafel – wem fallen die meisten unpassenden Assoziationen ein?

Alcove Red Velvet Chocolate

 

Und eine der auch in Deutschland immer populärer werdenden Schwafelpackungen:

Pink Bubbly

YOU – ich als Spülmittel

Sollte das ein neuer Trend sein? Das „You“?

Es ist auf jeden Fall erfrischend, sich die Analogie von Deo und Spülmittel zu gewärtigen. Ich bin ich – und die nächste Stufe ist das Eins werden mit dem Spülmittel. Wollten wir das nicht schon immer? Da bekommt auch der putzige Begriff „Spüli“ gleich eine andere Bedeutung. Man sollte seine Schreibung auf jeden Fall in „spül i“ ändern, oder gleich in „i spül“.

Wobei auch das Beispiel von Axe letztlich kurios ist. Denn das Versprechen, dass ich ich werde oder dass etwas für mich gedacht ist oder mir hilft ich zu sein, das sollte leichter haltbar sein als die alte Magnettheorie (Deo zieht Frauen an).

Spülmittel YOU bei dmAXE YOU Deo

Als nächste Stufe der Vermarktung schlage ich vor: Das Spülmittel bzw. Das Deo. Das knallt so richtig. Und hat es noch nie gegeben 😉

Und hier noch was für die Fangemeinde des in München so beliebten Werbebairisch:

„Spül i scho oder iss i no?“

 

Trickreiche Alternative für Eiswein: Ice Royal Riesling

Wer sich ein wenig mit der deutschen Weinnomenklatur auskennt, der weiß, dass das ein komplexes und auch sehr ernst genommenes Thema ist. Die meisten haben sicher schon von Qualitätsstufen wie Kabinett, Spätlese oder Auslese gehört. Ziemlich weit oben in der letzlich auch preislich gestaffelten Skala, da steht der Eiswein. Zusammen mit der Trockenbeerenauslese.

Die findige Norma, mein Lieblingsdiscounter, weil es dort auch viele erstaunliche fränkische Produkte gibt, hat sich nun etwas einfallen lassen. Ein Eiswein war wohl zu teuer fürs Sortiment, deshalb hat man einen „Quasi-Eiswein“ kreiert. Hier bekommt man einen Eindruck, erst mal das Prospektblatt vom 28.11.2016.

Eiswein Ice Royal Alternative bei Norma im Prospekt

Damit man es besser erkennen kann, hier noch der Ausschnitt des, wie er so schön heißt: Ice Royal Riesling. Da fährt jemand wohl haarscharf an der Grenze der korrekten Kennzeichnung. Die stilisierte Schneeflocke oder Eisblume tut ein Übriges …

 

Im Supermarkt in den USA Teil 3 – Optimierungsversprechen

Die letzte Folge der Namen reflektiert einen bedeutenden Trend im Branding: Nachhaltigkeit und Ethik, sowie Selbstbezogenheit. Wichtige Fragen dabei sind: Ist etwas gut für mich? Ist gut für die Umwelt? Oder ganz generell, was macht ein Produkt mit mir? So sieht das konkret aus:

Klassisch der gesunden Yogawelt verpflichtet scheint der Name Bai, der aber noch ein konkretes Gesundheitsversprechen hinterherschiebt – Antioxidant Infusion. *

bai antioxidant infusion

 

Überhaupt fällt auf, dass Versprechen gegeben werden, bei denen man sofort an die europäische Health Claim Verordnung denken muss. So ist unzweifelhaft, was dieser Saft macht:

GoodBelly probiotics drink

 

Etwas subtiler und spannender ist da schon ein Namen bzw. ein Produkt, dessen Effekt eher auf Autosuggestion denn den konkreten Produkteigenschaften zu beruhen scheint:

thinkThin High Protein Bar

 

In einer Ecke mit den unschuldigen und ehrlichen Namen darf auch der folgende stehen, denn das Motto ist klar und hat schon etwas von einem Positivismus-Rundumschlag:

KIND Healthy Grains Bar

KIND Healthy Grains Bar

 

Kind ist schon ganz gut, aber es geht noch mehr. Viel mehr. Manchem mag es etwas übersteigert erscheinen, doch diese Schokolade kann quasi mit Gottesnähe punkten:

Sacred Chocolate

 

* Eigentlich wollte ich ja nur aus Sicht des Nichtintimkenners kommentieren, aber woher BAI kommt, hat mich dann doch interessiert. Auf der Website von BAI heißt es dazu: „Bai is the Mandarin Chinese word for ‚pure‘. It’s also an acronym for ‚botanical antioxidant infusions‘.“ Wenn’s jetzt noch nicht wirkt, weiß ich auch nicht weiter.