Birkenzucker

Gerade bei Lebensmitteln immer ein spannendes Thema ist die kreative Namensgebung für mehr Attraktivität. Manchmal könnte man es auch Irreführung nennen. Aufmerksame Leser erinnern sich an die hier vorgestellten Feldnüsse. Weil wir aber gerade beim Thema „kreative Gedankenlenkung“ sind. Haben Sie schon mal von Birkenzucker gehört? Ich stieß letztens bei Aldi drauf, er ist also mittlerweile im Mainstream angekommen:

Birkenzucker Xylit

Birkenzucker ist ein wirklich komischer Begriff, denn mit Birken hat Xylit herzlich wenig zu tun. Das Herstellungsverfahren ist alles, was man sich nicht unter „natürlich“ vorstellt (200°, mit Schwefelsäure oder Natronlauge), der Grundstoff diverses Holz, Stroh, oder Maiskolbenspindeln – doch der Name ist wildromantisch.

Erfreulich für Hersteller und Vertrieb, dass so etwas geht. Kommt in die Schublade mit dem Chicken of the Sea 😉

 

Trickreiche Alternative für Eiswein: Ice Royal Riesling

Wer sich ein wenig mit der deutschen Weinnomenklatur auskennt, der weiß, dass das ein komplexes und auch sehr ernst genommenes Thema ist. Die meisten haben sicher schon von Qualitätsstufen wie Kabinett, Spätlese oder Auslese gehört. Ziemlich weit oben in der letzlich auch preislich gestaffelten Skala, da steht der Eiswein. Zusammen mit der Trockenbeerenauslese.

Die findige Norma, mein Lieblingsdiscounter, weil es dort auch viele erstaunliche fränkische Produkte gibt, hat sich nun etwas einfallen lassen. Ein Eiswein war wohl zu teuer fürs Sortiment, deshalb hat man einen „Quasi-Eiswein“ kreiert. Hier bekommt man einen Eindruck, erst mal das Prospektblatt vom 28.11.2016.

Eiswein Ice Royal Alternative bei Norma im Prospekt

Damit man es besser erkennen kann, hier noch der Ausschnitt des, wie er so schön heißt: Ice Royal Riesling. Da fährt jemand wohl haarscharf an der Grenze der korrekten Kennzeichnung. Die stilisierte Schneeflocke oder Eisblume tut ein Übriges …

 

Kuriose – und schöne – kulinarische Begriffe aus der Nähe

ochsenaugen-spiegeleier

Es gibt ja bekanntlich ein Bairisch jenseits der Ästhetik des „mia biedan ins o“. Aus diesem Fundus habe ich einige kulinarische Exemplare herausgegriffen, die meinen Artikel zu erstaunlichen Bezeichnungen für Lebensmittel trefflich ergänzen. Auch hier wieder spannend, wie oft aus eher Unspektakulärem per Sprache etwas Vielversprechendes oder sehr Bilderreiches gemacht wird. Voilà:

  • Bärendreck: Ganz klar, das kann nur Lakritze sein
  • Bibergockel: So hieß er früher, heute hört er auf den Namen Truthahn
  • Blaswürscht: Heiße Kartoffeln (muss man blasen, da ja heiß)
  • Erdäpfel: Den Vergleich mit den Luftäpfeln hätten die Kartoffeln gar nicht nötig
  • Foidhendln: Wieder Kartoffeln (quasi die Hühner des Feldes)
  • Gansjung: Gänseklein (eher euphemistisch für Teile der Gans wie Hals oder Füße)
  • Hundshaar: Die feinen Fäden von Schimmel auf verderbenden Speisen
  • Kronfleisch: Das Zwerchfell eines Tieres wie Kuh oder Pferd (so benannt nach seiner Form oder weil es so fein ist?)
  • Ochsenaugn: Eigentlich leicht gruslig, denn das sind natürlich Spiegeleier
  • Ochsengurgeln: Die Schaumrolle, ein süßes Konditorprodukt

Vielleicht fragen Sie sich, wie ich auf die Begriffe gestoßen bin oder ob die alle in meinem aktiven Wortschatz sind. Das sind sie (leider) nicht alle. Manche waren im Kopf, auf andere bin ich bei den Recherchen zu einem Projekt gestoßen, bei dem Bairisches Deutsch eine wichtige Inspirationsquelle war – jenseits des unseligen „mia san ned von do“. Dank für Inspiration und Information geht an Franz Ringseis für sein „Neues Bayerisches Wörterbuch“ und an Ludwig Zehenter für „Bairisches Deutsch“.

 

PS: Mehr Kulinarisches finden sie auch im Artikel Essen anders benennen.

 

Vinho Verde Rosé – ein Wein, zwei Farben?

Erst staunt man, was bei Aldi da im Angebot ist: Ein Vinho Verde Rosé. Grün und Rot vereint in einem Wein, der typischerweise eher blassgelblich daherkommt?

Vinho Verde Rosé Flasche Foto

Gemach gemach, alles hat seine Ordnung. Wir können hier das Phänomen der Lexikalisierung bestaunen.

Die aus dem Aussehen der Umwelt (sattgrüne Landschaft) und dem extrem kurzen Reifeprozess hergeleitete Bezeichnung des „grünen Weins“ (es geht übrigens nicht um unreife Trauben, das kann man in der Wikipedia lernen) wurde im Laufe der Zeit zu einem Namen, dessen ursprüngliche Bedeutungskomponenten von einer neuen Gesamtbedeutung überlagert wurden: frischer, leichter Sommerwein, der auch gut ins Ausland verkauft werden kann. Und der ganz ganz grün, also jung getrunken werden sollte, sonst wird er ungenießbar.

Es gibt folgende Varianten von Vinho Verde: Vinho Verde, Vinho Verde Tinto, Vinho Verde Rosé.

Im Prinzip ist es hier ähnlich wie bei allen Namen, deren ursprüngliche Bedeutung verloren gegangen ist bzw. nur noch bei bewusstem Nachdenken aufscheint. Bei Lufthansa denkt ja auch niemand mehr an Schiffe oder Handelsschifffahrt. Nur bei Farbkombinationen ist alles ein wenig auffälliger …

 

Essen anders benennen – vorher / nachher

Wer kennt sie nicht, die Beispiele für Lebensmittelnamen, die haarscharf an der Wahrheit entlangschrammen? Der Buntbarsch ist ein Tilapia, das Chicken of the Sea ein Thunfisch. Diese Namen sind extra für die Vermarktung kreiert worden. Es gibt aber Begriffe, oft historisch, die Dinge blumiger beschreiben, auch beschönigend, manchmal verehrend – und natürlich auch die zwischenmenschliche Vermarktung unterstützend, machen wir uns nichts vor. Aus dieser Kategorie habe ich eine Kollektion von 7 schönen Begriffen zusammengestellt für Sie:

  • Hauswild … steht traditionell im Chinesischen für ein sehr feines Nagetier, die Ratte.
  • Der Honig der Erde … repräsentiert im Irischen die wunderbare Karotte.
  • Das Ackerhuhn – wer hätte es erwartet – steht in China für den doch gut verspeisbaren Frosch…
  • Donaulachs ist einfach die analogieziehende, deutsche Alternativbezeichnung für den Huchen.
  • Kniffliger ist Rindfleisch spezial: Es kennzeichnet in Hongkong auf der Speisekarte den besten Freund des Menschen.
  • Vierflügliges Geflügel – wie Aristophanes Insekten (für den Verzehr) bezeichnete.
  • Die Ananaskirsche / Kapstachelbeere / Erdkirsche, mit denen man früher eine  Blasenkirsche bzw. heute eben Physalis bildhaft zu benennen versuchte.

Gerne nenne ich die Quelle dieser schönen Beispiele. Es ist Waverly Roots Klassiker „Wachtel, Trüffel, Schokolade“, den ich jedem, der an Essen und Lebensmitteln interessiert ist, nur ans Herz legen kann.

 

PS: Mehr zu regionalen Begriffen aus der Essenswelt hier.

Hachez oder Haschee? Schokolade oder Ragout? Ein ewiges Ausspracherätsel

Bei manchen Markennamen bin ich mir nicht sicher, wie sie auszusprechen sind. Einer dieser Namen ist Hachez. Da ich wusste, dass es sich um einen Bremer Schokoladenhersteller handelt, ging ich immer von einer deutschen Aussprache aus: h-a-ch-e-z. Ich stellte mir auch vor, das könnte ein Akronym sein aus dem Ha von Hanseatisch, dem ch von Chocolate und dem ez von etwas, nun ja, von etwas, das ich nicht weiß. So macht man sich halt seinen Reim auf die Welt.

Hachez Chocolade Logo
© HACHEZ Chocolade GmbH & Co. KG

Aus Geschäften und durch Bekannte ist mir allerdings auch eine frankophone Aussprache geläufig: also so etwas wie „Haschee“. Nun wird aber im Französischen ein Anlaut-h nicht gesprochen, der Name wäre also eher ein „Aschee“. Großes Problem, ich weiß. Da das Unternehmen ja nicht wie Lindt Fernsehwerbung macht und für einen einheitlichen ausgesprochenen Namen sorgen kann (wobei Lindt da die eindeutig bessere Startposition hatte mit seinem bocksimpel und quasi nur ein-fach aussprechbaren Namen) gibt es also verschiedene Sprechweisen.

Um zu klären, wie man das im Unternehmen selbst sieht, fragte ich dort einfach nach. Eine freundliche Dame teilte mir mit, der aus Belgien stammende Chocolatier Joseph Emile Hachez war seinerzeit Gründer des gleichnamigen Unternehmens und Stammvater der erlesenen Chocolade-Kreationen. Demzufolge würde das „z“ nicht mitgesprochen im Mittelteil wird das „ch“ wie „sch“ gesprochen abschließend ein langgezogenes „e“ – mit dem Ergebnis „HASCHEH“.

Diese Aussage kollidiert natürlich mit der Auskunft, die mein französischer Partner mir gab, der das „h“ nicht sprechen würde, aber zusätzlich darauf verwies, dass das Wort im Französischen sogar eine faktische Bedeutung habe – nämlich so etwas wie „mahle!“ bedeute. Aber das nur am Rande. Vielleicht hat es Joseph Emile Hachez als Fremder in Bremen einfach nicht geschafft, die korrekt französische Aussprache in Bremen durchzusetzen.

Somit haben wir eine „korrekte“ Lösung, die niemand in Deutschland verwendet, eine gebräuchliche, die viele verwenden, und zu guter Letzt eine aus muttersprachlich deutscher Sicht ebenso plausible. Was lernen wir daraus? Eine Vereinheitlichung wäre sicher schön, ist aber aufwendig. Dennoch, vielleicht kann man ja aus dem belgischen Erbe und der besonderen Aussprache des Namens ein Werbethema machen.

Da ich die Produkte des Unternehmens sehr schätze, hier noch ein paar Details für Schokoladeninteressierte:

HACHEZ ist der einzige Premium-Hersteller in der Bundesrepublik, der in der Manufaktur in Bremen noch unter eigenem Dach alle Herstellungsprozesse vereint: Beginnend mit dem Reinigen und Rösten der Kakaobohnen bis zur Ausformung der Chocolade in vielfältigen Formen und Dekors. Alle Arbeitsschritte – vom Rösten der Kakaobohnen bis zur Herstellung des Endproduktes – finden unter einem Dach statt. Der Prozess der Herstellung einer Schokolade dauert bei HACHEZ bis zu 100 Stunden.

Chocolade Hachez Sortiment Auswahl
© HACHEZ Chocolade GmbH & Co. KG

Herzlichen Dank für ihre Unterstützung und die Bilder an Frau Kruse von der Bremer HACHEZ Chocolade GmbH & Co. KG – Chocolade Manufaktur seit 1890.